Die „Busse-Cats“ beleben meine Fantasie.
Vom ersten Moment an habe ich mich verliebt in die wunderbaren Katzenbilder von Ann-Kathrin, und sofort begann ich damit, meine Ideen zu den liebenswerten Samtpfoten in Verse zu kleiden.
Die kunstvoll-lebendige Darstellung der individuellen Tier-Charaktere macht es mir leicht, kleine Geschichten in jedem Bild zu erkennen und niederzuschreiben. Mal lustig, mal hintersinnig, mal eigenwillig – gerade so, wie ich selbst, als langjähriger Mitbewohner eines stolzen Katers, das Wesen dieser einzigartigen Geschöpfe täglich erlebe.
Inzwischen ist eine ganze Reihe kleiner Gedichte zu ausgewählten Bildern entstanden, die einfach nur Freude bereiten sollen. Ich freue mich sehr über dieses Zusammenspiel von Bild und Wort!

Eine Auswahl der “Busse-Rhymes” gibt es hier, alle weiteren auf meiner Facebookseite: www.facebook.com/JUHschreibt

Schön, dass wir uns gefunden haben, liebe Ann-Kathrin!

Jörg Ulrich Helgert (JUH)

Sörens Herbstblatt

Losgelöst durch Wind und Wetter
Segeln bunte Ahornblätter
Elegant vom Baum hernieder.
Es ist Herbst im Land; schon wieder.

Unten kauert Kater Sören,
Lässt vom Laubfall sich betören.
Ahorn mag er nämlich gerne:
„Diese Blätter sind wie Sterne!“

Einen Stern will er erhaschen.
Ob zum Spielen oder Naschen,
Könnte man ihn zwar befragen,
Doch vermag er’s kaum zu sagen.

So hockt Sören in der Kühle,
Voller wechselnder Gefühle.
Staunt die Blätter an beim Fallen,
Und es fröstelt um die Krallen.

Endlich kommt im hohen Bogen
Der wohl schönste Stern geflogen,
Landet weich und ohne Mätzchen
Auf dem Kopfe von dem Kätzchen.

Was zuvor er nie erlaubte,
Eine Mütze auf dem Haupte,
Findet Sören heut gediegen;
Darum bleibt das Blättchen liegen.

Still sitzt Sören für Sekunden,
Hat sein Herbstblatt nun gefunden.
Doch der Wind trägt’s fort mit Schwung…
Und was bleibt? Erinnerung.

© Jörg Ulrich Helgert (JUH)

Die Beichte
[Bist Du mir böse?]

Entschuldige, ich muss mal stören,
Denn mir ist leider was passiert.
Du wirst es gar nicht gerne hören:
Ich hab die Küche grad paniert!

Du schimpfst: „Wie konnte das geschehen?“
Doch bin ich völlig überfragt.
Ein Mehlkrug plumpste aus Versehen
Vom Schrank. Werd‘ ich nun angeklagt?

Ich war auf der Erkundungsrunde,
Wie immer, wenn Du außer Haus.
Alles Routine, so im Grunde;
Da glitt ich unerwartet aus.

Das Schrankregal war ziemlich schmierig.
(Du hast es nicht gut abgewischt!)
Mich festzuhalten wurde schwierig
Und ich bin plötzlich losgezischt.

Die Gurken sind davon gekommen;
Denn ich umrutschte sie geschickt.
Doch als ich dann ans Mehl gekommen,
Hab ich’s mit Wucht hinausgekickt.

Ich fing mich, weil die Tatzen krallten;
So ist mir weiter nichts passiert.
Der Mehlkrug war nicht aufzuhalten.
Ist weiter unten detoniert.

Man konnte erst ein kleines Weilchen
Im Nebelmehl nichts deutlich sehn.
Weiß abgedeckt ist jedes Teilchen.
Fast wie im Winter. Wunderschön!

Ich weiß, das macht Dich ziemlich sauer
Und wütend bist Du sicher nun.
Aber ich schwöre: Auf die Dauer
Werd‘ ich das nicht oft wieder tun!

© Jörg Ulrich Helgert (JUH)

Mit Würde und Stil

Sir Henry werde ich genannt.
Als „Gentleman-Cat“ weit bekannt.
Mein guter Ruf eilt mir voraus:
Ein Spross aus allerbestem Haus.

Ich habe Bildung, Charme, Esprit
Dazu Humor – ich grolle nie.
Bin schlagfertig und wortgewandt,
Wie sich’s gehört für meinen Stand.

Stets vornehm und mit feinem Stil
Beherrsche ich das große Spiel.
Ich wahre stets die Contenance
Und dies mit höchster Elégance.

Doch wenn mich mal ein Flegel stört,
Brüskiert, beleidigt, tief empört,
Dann kontere ich scharf, durchaus…
…und strecke ihm das Zünglein raus.

© Jörg Ulrich Helgert (JUH)

Einfach fröhlich!

Heut bin ich fröhlich, ohne Grund.
Ich lach mich krank – das ist gesund!
Denn wenn ich froh und lustig bin,
Hab ich nichts Übles mehr im Sinn.

Der Spaß will einfach aus mir raus;
Drum denke ich mir Witze aus.
Sobald mir einer gut gefällt,
Erzähl ich ihn der ganzen Welt.

Die andren Katzen sind verschreckt
Und haben sich vor mir versteckt.
Mein Frohsinn gruselt sie zu sehr.
Mich zu begreifen, fällt wohl schwer.

Dabei will ich nur glücklich sein!
Das klappt gerade ungemein.
Ich strahle einfach durch den Tag;
Der strahlt zurück – wie ich es mag!

Mir ist schon klar, das geht vorbei.
Auf Fröhlichkeit folgt Einerlei.
Doch diese Wonne in mir bleibt:
Ich hab die Freude einverleibt!

© Jörg Ulrich Helgert (JUH)

Wenn Deine Katze Hunger hat..
[…mach sie um Himmels Willen satt!]

Ein Mensch, der wenig inspiriert
Die Katze einfach ignoriert
Mit der er länger schon liiert
Und die nun heftig insistiert
Da ihre Fütterung pressiert
Der wird vom Tiere oft traktiert
Nicht selten physisch attackiert
Von scharfen Krallen maltretiert
Bis er, der Mensch, recht ramponiert
Am Ende dann kapituliert
Um nicht zu sagen resigniert
Nun seinen Fehler akzeptiert
Darum auch keine Zeit verliert

Der Katze alles rasch serviert
Wonach das Tier so heftig giert
Damit der Streit nicht eskaliert
Und gar noch Schlimmeres passiert
Was dann womöglich dazu führt
Dass man einander massakriert.
Denn Katzen sind extrem frustriert
Sobald ihr Mensch nicht funktioniert
Sie fühlen sich diskreditiert
Mitunter auch diskriminiert
Im sprichwörtlichen „angeschmiert“
Es sei darum auch deklariert
Ganz ernsthaft, gar nicht kleinkariert
Und sachlich fachlich reflektiert
Dass keine Katze toleriert
Wenn sich im Napf rein gar nichts rührt
Und lautstark dies artikuliert
Mit Vehemenz und ungeniert
Weil Hunger großen Zorn gebiert
Vom Fachmann gern determiniert
Als „typisch Katze“ definiert.

Ist alles detailliert notiert?

© Jörg Ulrich Helgert (JUH)

 

Lohn der Milde

Es dunkelt schon im Mauergang,
Da schleicht noch jemand dort entlang.
Die Katze ist auf Mäusefang.
Der Hunger leitet ihren Drang.

Schon bald erspäht sie eine Maus.
Die trippelt grad aus ihrem Haus
Und taugt aus Katzensicht durchaus
Zum delikaten Abendschmaus.

Ein Tatzenschlag! Dann ist’s geschehn!
Doch jämmerlich klingt Mäusleins Flehn:
„Ach Katze, bitte lass mich gehn!
Ich habe Kinder – und zwar zehn!“

Der Katze wird ganz blümerant,
Denn Mitleid hat ihr Herz entbrannt.
Sie zeigt sich mild und tolerant
Und lässt die Beute aus der Hand.

Erfreut entspringt die kleine Maus,
Streckt aber kurz vor ihrem Haus
Der Katze frech die Zunge raus
Und gibt sich hämisch selbst Applaus.

Beschämt steht nun die Katze da.
Doch lernt sie aus dem Spott – fürwahr!
Beim nächsten Mal, das ist mal klar,
Frisst sie die Maus mit Haut und Haar.

© Jörg Ulrich Helgert (JUH)